04/12/2012

News-Analyse: Sind Vorsorgeuntersuchungen unnötig?

Im letzten Beitrag habe ich mich mit dem Thema der Vorsorgeuntersuchungen auseinander gesetzt. Medizin-Transparent hat dazu erst kürzlich einen Beitrag des NEWS-Verlages (Vorsorgeuntersuchung – Total unnötig (22.10.2012, www.news.at) untersucht (Kny et al, 2012).

Sind die angepriesenen Vorsorgeuntersuchungen wirklich unnötig? Was sagt die Wissenschaft dazu?

Im besagten Beitrag geht es darum, ob es Sinn macht, wenn sich ein Gesunder einer jährlichen Gesundenuntersuchung unterzieht. Grundsätzlich steht es jedem Österreicher über 18 Jahren frei, sich einmal im Jahr einen Gesundheits-Check zu unterziehen (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, 2012).

So wie auch alle Maschinen regelmäßig Pflege brauchen, braucht das auch unser Körper, so sieht es zumindest der österreichische Staat. Es ist ja grundsätzlich nichts gegen eine kostenloses „Service“ einzuwenden. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen und die wirklich schmerzhaft ist es auch nicht. Aktuelle Zahlen zeigen, dass lediglich 12 Prozent bzw. jeder achte Österreicher, dieses Angebot nutzt (Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, 2012).

Bei der Vorsorgeuntersuchung durch den Allgemeinmediziner werden beispielsweise die Blutfette, der Zucker und die Leberfunktion überprüft. Die Erkenntnisse aus der Untersuchung dienen hauptsächlich der Prävention, das heißt, Probleme sollen bereits vor dem Auftreten erkannt und verhindert werden. Dadurch können aufgrund von früh eingeleiteten gesundheitsfördernden Maßnahmen Folgeerkrankungen vermieden werden.

Die Idee dahinter ist gut, nun behauptet aber NEWS, dass ein derartiges Vergehen total unnötig sei. Nicht nur, dass ein solches Vorgehen die Leser verwirrt, viel mehr steht es auch im Widerspruch zu den Empfehlungen des Hauptverbandes.

 

Der wissenschaftliche Erkenntnisstand

Eine kürzlich veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration hat untersucht, ob die Sterblichkeit durch eine jährliche Vorsorgeuntersuchung gesenkt werden kann. Die Übersichtsarbeit inkludierte 14 Studien mit mehr als 180.000 Probanden.

Die Übersichtsarbeit konnte keinen positiven Effekt der Gesundenuntersuchung auf die Sterblichkeit und Wahrscheinlichkeit für schwere Erkrankungen feststellen (Krogsbøll, 2012). Besonders interessant ist, dass weder weniger Todesfälle insgesamt verzeichnet wurden, noch dass sich durch die regelmäßige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen das Risiko, Krebs oder Herzkreislauferkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, gesenkt hat.

Die Autoren der Studie haben dafür folgende Erklärung: Patienten die ein erhöhtes Krankheitsrisiko haben, werden bereits im Zuge anderer Untersuchungen erkannt und nicht erst während einer der nachfolgenden Vorsorgeuntersuchungen.

Nicht unwesentlich ist auch das Argument, dass die jährliche Vorsorgeuntersuchung vor allem von gesunden Menschen in Anspruch genommen wird. Diese Personen achten viel mehr auf ihre Gesundheit – sie treiben zumeist mehr Sport und ernähren sich besser. Möglicherweise verfügen sie auch über eine bessere sozioökonomische Stellung.

Im Nachsatz geben die Studienautoren noch folgende Stellungnahme ab: Regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen sind nicht sinnvoll, trotz allem sollen/dürfen diese nicht generell abgelehnt werden. Besteht ein ärztlicher Verdacht, so sollten weitere präventive Untersuchungen durchgeführt werden.

Um die einleitente Frage noch einmal zu beantworten: Es gibt eine mittlere Beweislage für die Nicht-Wirksamkeit für Vorsorgeuntersuchungen. Somit kann die Teilnahme eines gesunden Menschen bei einer Vorsorgeuntersuchung das Risiko für Erkrankungen oder einen frühzeitigen Tod nicht verringern.

Noch einmal zur Erinnerung: Eine Untersuchung selbst dient nicht der Vorbeugung, sondern nur der Erkennung einer Krankheit.

 

Literaturverzeichnis

Kny A., Kerschner B. & Flamm M (2012). Gesund und trotzdem einmal jährlich zum Arzt? http://www.medizin-transparent.at/gesund-und-trotzdem-einmal-jahrlich-zum-arzt

Krogsbøll (2012). General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 10. Art. No.: CD009009. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit).

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2012). Vorsorgeuntersuchung. http://www.hauptverband.at/

Letzte Änderung am 29/06/2014

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